("Die Absurdität der Umstände, unter denen manches ernsthafte Beginnen scheiterte sowie die tatenferne selbstverliebte Geschwätzigkeit autistischer Welterretter, die ich vor meiner Einweihung noch ernstgenommen hatte, führten mich auf den Wahren Weg des Höheren Blödsinns"; usw…)
четверг, 30 июня 2016 г.
Weiter denn...
понедельник, 5 октября 2015 г.
Die wilden neunziger Jahre
(то-бишь: про лихие девяностые годы)
Eine Antonov-22-Transportmaschine
Geklauet von der Seite MCA.Su
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Vor kurzem entdeckte ich verlorengeglaubten Aufzeichnungen zu einer unerwarteten Reise, nach welcher für mich alles ganz anders wurde und die im Weiteren dazu führte, daß ich die wilden postsowjetischen neunziger Jahre in Rußland hautnah miterleben durfte.
Versteckt in Unmengen an sonstigem Geschriebenem, kopiert von Festplatte zu Festplatte, von Computer zu Computer, hatten diese Aufzeichnungen mich auf meinen wirren Wanderungen begleitet und sind nun in Montenegro gelandet; wo ich sie denn auf der Suche nach irgendwas anderem zufällig wiederfand.
Ich begann dann, sie auszuarbeiten und in der Klamurke portionsweise zu veröffentlichen. Das sind Notizen aus einer Zeit also, in welcher von Europa aus humanitäre Hilfsgüter in die zusammenkrachende Sowjetunion gebracht wurden und die Europäer die bösen Sowjets als am Boden liegendes hilfloses Wesen erleben durften; und besonders heute, wo die Russen in offizieller europäischer Darstellung wieder zu den bösen Russen wurden, scheinen solche Erinnerungen mir interessant.
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Das begann am 11. Dezember des Jahres 1990, als ich in Stuttgart beim Frühstückskaffee von einer Bekannten, bei der ich grad zu Besuch war, gefragt wurde, ob ich nicht an ihrer statt nach Wolgograd fliegen könnte. Das Diakonische Werk habe sie gebeten, eine humanitäre Fracht dortselbsthin zu begleiten; sie habe zugesagt; aber eigentlich habe sie keine Lust, nach Wolgograd zu fliegen.
Nach kurzem Überlegen willigte ich ein.
Es folgten zwei Tage in der sich auflösenden sowjetischen Garnison in Wünsdorf, Flug in einem sowjetischen Transportflugzeug, einer Antonov 22 (siehe obiges Bild), nach Twer, wo es nach kurzem Aufenthalt weiter ging nach Wolgograd; mehrere Tage Wolgograd, und schließlich weiter nach Moskau.
Bis Wolgograd war eine deutsche Delegation mit dabei; darunter auch ein professioneller Fotograf. Den Fotografen konnte ich dank Facebook wieder ausfindig machen; hab ihn kontaktiert und hoffe, daß er in seinen Beständen noch ein paar Fotos findet von jener Expedition.
Gleichfalls dank Facebook konnte ich zweie von der damaligen Wolgograder Mannschaft wiederfinden; provisorischer Kontakt ist hergestellt; fürchte aber, daß ich das ganze Material erst mal ins Russische übersetzen muß, damit man es gemeinsam weiter ausarbeiten kann.
Ich hab dann eine eigene Seite geschaffen, wo ich das Material in chronologischer Abfolge veröffentlichte; tat dann auch noch sonstige bereits veröffentlichte in Rußland entstandene deutschsprachige Notizen hinzu.
Werd das alles möglicherweise noch weiter ausarbeiten.
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Auf jener Unterseite ist auch eine Notiz aufgeführt vom 9. Oktober 1993: Notizen während einer g’mütlichen Flußdampferfahrt
Das war während der Unruhen in Moskau Anfang Oktober 1993. Selbst war ich damals nicht direkt dabei; schipperte auf dem Flußdampfer „Juri Andropow“ über den Moskwa-Wolga-Kanal und über die Wolga dahin. Irgendein Kongreß wurde da abgehalten über die Zukunft Rußlands (auf welchen Wegen ich da reinrasselte, weiß ich nicht mehr; weiß nur noch, daß ich dabei war), während in Moskau die Gegenwart wütete.
Die Nachrichtenübermittlung war damals noch nicht so perfekt eingerichtet wie heute, wo jeder ein Handy hat: was in Moskau passierte erfuhren wir über Transistorradios und über ein Fernsehgerät, das man an Bord irgendwo hatte auftreiben können. Der Empfang war miserabel; aber die Erstürmung des Fernsehsenders Ostankino wirkte trotz der schlechten Bildqualität recht besorgniserregend.
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Vor ein paar Tagen suchte ich hier in Montenegro nach einem Bekannten, der, wie ich weiß, damals in Ostankino direkt dabei war; und zwar als Polizeioffizier (oder OMON; weiß nicht; hab mich noch nie mit ihm darüber unterhalten). Seine Leute hätten damals schießen sollen; aber er weigerte sich, den Schießbefehl zu geben, und wurde in der Folge deswegen degradiert (oder wie nennt man das im Deutschen? Ну, разжаловали его). Hab ihn noch nicht angetroffen; aber vielleicht ergibt sich noch ein Gespräch. Ohne seine Einwilligung will ich nicht mal seinen Namen nennen.
Daß der Tag, an dem mir in den Sinn kam, ihn über seine damaligen Erlebnisse zu befragen, genau der Jahrestag ist, an dem das alles passierte, fiel mit erst anschließend auf.
Ein paar Tage später stieß ich dann in der Prawda auf ein Interview mit Alexander Ruzkoi, der damals enger in diese Geschehnisse involviert war. Für mich wurde durch dieses Interview sehr vieles sehr viel klarer, als es vorher war (selbst als ich mehr oder weniger mitten drin steckte war det alles für mich recht nebulös; ja nu, nicht ganz so nebulös wie für die lieben Wessis, die ihr Rußlandbild den westlichen Massenmedien entnehmen; aber doch: recht nebulös). Werd mich wohl oder übel in dieser Richtung noch etwas weiter schlau machen müssen, um die Nebel noch weiter zu lichten und auch die Gegenwart besser zu verstehen.
Würde einem jeden, der jüngere Vergangenheit und Gegenwart Rußlands besser verstehen will, und der über genügend Russischkenntnisse verfügt, dringend raten, sich das Interview anzuhören; findet man hier. Man versteht dann auch besser, mit was für Problemen der bei den westlichen Bürgersleut’n vielgeschmähte Putin zu kämpfen hat.
Und wer nicht genügend Russisch kann, um gesprochenen Text zu verstehen, kann das Ganze hier nachlesen (hoffe, daß es alles ist oder zumindest das Wichtigste; hab nicht nachgesehen)
Und sollte unter Nichtrussischsprachigen weitflächig realer Bedarf bestehen, so würde ich sogar auf mich nehmen, es ins Deutsche zu übersetzen (einfach so würde ich das nicht machen; iss doch etwas viel)
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So weit mal
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So isses
среда, 22 июля 2015 г.
Bruno Schulz und das Vondorten’sche Multiversum
Der Sommer heizt ganz arg ein; und auch der Weltenwahnsinn wird immer heißer und bedrohlicher.
Um den Weltenwahnsinn kümmere ich mich so wenig als möglich. Laß mich halt auf nix ein, das ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren kann… Das Übersetzen und Kommentieren hab ich weitgehend eingestellt. Wer das Lügengespinst der deutschen Medien als solches durchschaut hat und als Nichtrussischsprachiger sich informieren will – hat auch ohne mich genügend Möglichkeiten; und wer sich nicht informieren will, weil er sich in dem Lügengespinst behaglich eingerichtet hat – dem kann ich auch nicht helfen; der wird – vielleicht – irgendwann zu sich kommen, wenn das unübersehbar anlaufende Große Chaos ihn eingeholt hat.
Einen Artikel zu einem für den deutschsprachigen Leser – zunächst – vielleicht etwas abgelegeneren Thema hab ich übersetzt; und zwarnämlich geht es da um einen Intrigenkomplex, mit dessen Hilfe irgendwelche Kreise offenbar bemüht sind, auf dem Balkan mal wieder etwas Chaos zu schaffen. Für mich persönlich isses nicht ganz so abgelegen, da ich auf selbigem Balkan zur Zeit meine Wohnstatt habe; aber auch sonst dürfte ein solches offenbar angestrebtes Balkanchaos nicht nur den Balkan betreffen. Wie den auch sei – jene Übersetzung hab ich im Blog veröffentlicht; findet man hier
Dann fiel mir noch der polnische Maler und Literat Bruno Schulz ein.
Bruno Schulz also, der 1892 in Drohobytsch (gehört heute zur Ukraine) geboren und ebendort 1942 von einem Gestapomann auf offener Straße erschossen wurde.
Bruno Schulz lebte in diesem Drohobytsch, ging seinen verschiedenen Beschäftigungen nach; und wie dann die Hitleristen Polen besetzten, wurde er von selbigen zum jüdischen Untermenschen erklärt und als solcher ins Ghetto gesteckt.
Im Ghetto wurde er von einem SS-Mann namens Landauer benutzt, um als Maler eine von selbigem beschlagnahmte Villa mit Malereien zu versehen. Also eine gewisse privilegierte Stellung. So man es als Privileg betrachten darf, solcherart benutzt zu werden; und es hatte zudem den Nachteil, daß er als Gebrauchsgegenstand in verschiedene SS-interne Querelen eingebunden war. Die SS war ja nur von außen ein monolithisches Ganzes; und wenn sie gegen ihre erklärten Feinde vorgingen wirkte sie tatsächlich als solches. Ansonsten gab es, wie überall, interne Streitereien und Feindschaften und Intrigen. Jener Landauer hatte innerhalb der SS einen Feind, dessen jüdischen Zahnarzt er aus purer Feindschaft erschossen hatte; und aus Rache erschoß jener Feind den von Landauer benutzten Maler Bruno Schulz. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Machst du mir eine Beule ins Auto, so mach ich dir auch eine. Laut einer Version hat jener SS- oder Gestapomann den Maler des SS-Manns Landauer eben aus dem Grunde erschossen, weil der dessen Zahnarzt erschossen hatte. Aber hundertprozentige Klarheit scheint nicht zu herrschen. Woher auch. Zu jenen Zeiten war es völlig normal, daß irgendwelche Leute von irgendwelchen SS-Leuten auf offener Straße erschossen wurden; die waren dann halt tot, und man kümmerte sich nicht weiter darum. Erst später, als alles ganz anders war, begann man sich für diesen oder jenen Fall zu interessieren; und da war es dann schon nicht mehr so einfach, die Einzelheiten genau zu rekonstruieren.
Wie dem auch sei: Selbst unter solchen Umständen wurde künstlerisch gearbeitet; und neben seinem Benutztwerden als Ausschmücker jener beschlagnahmten Villa widmete sich Bruno Schulz, so weit bekannt, auch seiner schriftstellerischen Arbeit.
Im Sprachenportal hatte ich eine Menge Texte von Bruno Schulz für Polnischlernende mit Übersetzungen und Kommentaren veröffentlicht; und nach Auflösung des Sprachenportals vegetieren die im Archiv vor sich hin.
Nun aber habe ich angefangen, die Sprachenportal-Polnischseite in der Klamurke neu aufzubauen; zumindest für das bereits erstellte Material (ob ich darüber hinaus noch weiteres erstellen werde, glaub ich nicht).
Hab nun mal die Erzählung „Sanatorium pod Klepsydrą“ auf der klamurkischen Polnischseite veröffentlicht; Weiteres wird folgen.
Und dann gibt’s noch den Vondorten-Ordner mit seinen Vondortismen und sonstigen ernsten und weniger ernsten Aphorismen und Zitaten.
Das wurden inzwischen so viele, daß ich die Übersicht verloren hatte. Um sie wiederzugewinnen, begann ich, so etwas wie System in diese wirre Vielfalt zu bringen.
Das ist nun abgeschlossen; und weitere Zugänge werden eben nach diesem System ihre Benennung finden.
Beginnen tut der nach diesem System geschaffene Dateiname mit Benennung der Sprache:
DE_ - Deutsch
RU_ - Russisch
DERU_ - Deutsch und Russisch
GE_ - Georgisch
L_ - Latein
W_ - Volapük
An zweiter Stelle eine Art Katalogisierung; und zwar:
_G_ - Abkürzung von „Gast“; das heißt also: Zitat von einem Schreiber, der außerhalb unseres Multiversums (Wilhelm von Dorten, Ernst Tirckl-Wolff, Raymond Zoller, Wladimir Sorgutchin usw…) zu existieren geruht oder geruhte (zum Beispiel Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Nietzsche usw…)
_E_ - Ernstgemeintes
_Q_ - Höherer Blödsinn (Q = Abkürzung von ‚Quatsch‘)
_QE_ - In Quatschesform dargelegtes Ernstgemeintes oder sonstige Übergangsformen zwischen Ernst und Blödsinn
Mit dem Katalogisieren sehen wir das nicht so eng; es ging nur darum, so etwas wie Übersicht reinzubekommen.
Und weiter dann nähere oder weniger nahe Charakterisierung.
Zum Beispiel:
DE_E_ehrliches_Stottern – Da geht es um die Vorzüge ehrlichen Stotterns gegenüber leerem Gewäsch
DE_Q_Analogkaese – Hier wird erklärt, was Analogkäse ist
DE_QE_Absurdologie – Hier erfährt man, was Absurdologie ist
Unter L_, das heißt also in Lateinisch, haben wir bislang nur zwei Sprüche vorrätig, und beides Quatsch. Der eine, L_Q_Caesar, wird als Caesar-Zitat ausgegeben; wobei allerdings keinerlei Gewähr besteht, daß Gajus Julius Caesar das tatsächlich auch so gesagt oder geschrieben hat; vor allem, da er, der Spruch, ein Wort enthält, welches die alten Römer möglicherweise noch nicht kannten. Aber grammatikalisch ist alles richtig.
Der zweite, L_Q_Sorgutchus, den wir für diesen Eintrag als Titelbild benutzten (siehe oben) ist überhaupt russisches Latein.
Aber das macht nichts.




